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Birkhäuser,  2007,  softcover,  240 Seiten, 65 illus.
Ulrich Conrads, Mitarbeit: Eduard Führ, Kristiana Hartmann, Anna Teut

Zeit des Labyrinths. beobachten nachdenken feststellen 1956-2006. Bauwelt Fundamente Bd.136

Das Buch wurde nach einem der in fünfzig Jahren entstandenen Texte von Ulrich Conrads benannt. "Zeit des Labyrinths" heißt eine Rede, die der Autor 1980 zu Schinkels Geburtstag gehalten hat. Nicht nur diesen Text lohnt es sich wiederzulesen, heute, da Schinkel gerade in Berlin als Zeuge für alle möglichen Anliegen herhalten muss, ohne dass er sich dagegen wehren könnte. Die Stadt-Zeit des späten 20. Jahrhunderts sei die Zeit des Labyrinths, so endet dieser Text und mit ihm das Buch. Ein Schluss, der sich nicht nur auf Conrads verschiedene Auseinandersetzungen mit Stadt und Architektur und ihren Rollen in der Gesellschaft bezieht, sondern auch auf die Art und Weise, wie sich Conrads seinen Themen genähert hat. Der gerade Weg, der direkte, ohne einen Blick in Seitenwege zu werfen, ohne sich zu gestatten, durch den Richtungswechsel Neues zu entdecken, war Conrads fremd. Dazu wusste er einfach zu viel, war er zu belesen, zu wichtig waren ihm die Parallelen in Geschichte, Literatur und Geisteswissenschaften, als dass er sie hätte vernachlässigen wollen.
Das zeigt auch ein Blick auf seine Biografie. Obwohl sein Leben der Architektur gewidmet war, ist Conrads kein Architekt. Er hat Vergleichende Literaturwissenschaft, Soziologie, Philosophie, Kunstgeschichte und Archäologie studiert, bevor er nach Promotion und einer Redaktionsassistenz bei der Monatszeitschrift "Das Kunstwerk" als Redakteur zu "Baukunst und Werkform" wechselte. 1957 bis 1988 war er dann Chefredakteur der Bauwelt, ist bis heute Herausgeber der von ihm ins Leben gerufenen "Bauwelt-Fundamente" und gründete die leider inzwischen nicht mehr erscheinende Zeitschrift Daidalos.
Angesichts dieses Lebenswerks mag die Auswahl für die hier vorliegende Zusammenstellung nicht einfach gefallen sein. Sie überzeugt vor allem in einem: Alle Texte lohnen, im Hinblick auf aktuelle Diskussionen gelesen zu werden. Das gilt nicht nur für Conrads Worte zur Architekturausbildung, die in Gefahr gerät, auf eine Weise verengt zu werden, dass ihre eigentliche Qualität gefährdet ist: zu lernen, wie Architektur als Sinndeutung des Lebens zu entwickeln ist, wie es der von Conrads verehrte Scharoun ausgedrückt hat. Das gilt nicht nur für die Anforderungen an den Kritiker: der nur nach dem Maßstab 1:1 urteilen dürfe, der wissen müsse, wie der Ort gewesen sei, bevor das neue Gebäude hier entstand.
Es lohnt sich auch zu lesen, wie sich Conrads 1956 der Kapelle von Ronchamps genähert hat, bevor sie sich durch ihren Kultstatus einer unvoreingenommenen Bewertung entzogen hat. Es lohnt sich, seinen Gedanken zur wohnlichen Stadt zu folgen, seiner Laudatio auf Scharoun zu lauschen, seine Beobachtung zum anonymen Bauen auf Kreta zu teilen. Wie Conrads selbst immer nach Quellen gesucht hat, die den Rahmen der jeweils aktuellen Diskussionen weiten können, so hilft Conrads nun uns, heute dasselbe zu tun.
Christian Holl

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